Unser Vater - ein Gebet aus sieben Sätzen

14.09.2025

Gottesdienst für den Kirchenbezirk Wien in der Konzilsgedächtniskirche Lainz-Speising

Am 14.09.2025 erlebte der Wiener Kirchenbezirk einen Gottesdienst mit Apostel Matthias Pfützner. In der Konzilsgedächtniskirche in Wien-Speising, die durch ihre besondere Architektur auffällt, hielt der Apostel eine Predigt über das bekannte Gebet „Unser Vater“. Als Ende der 60er Jahre die Kirche neu errichtet wurde, nannte der Wiener Volksmund das Gotteshaus etwas spöttisch „die Vater-unser-Garage“. Heute aber sprach der Apostel bewusst vom „Vater-unser-Heiligtum“, in dem die Gemeinde gemeinsam dieses Gebet vertiefte.

Der Bibeltext stammte aus Matthäus 6,13: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“

Apostel Pfützner stellte klar: Gott ist unser Führer, niemals unser Versucher. Er will uns nicht zum Bösen verleiten, nicht zu Fall bringen. Versuchung – das ist das Werk des Bösen oder entspringt unserer eigenen Begierde. Die Bibel bezeugt aber auch, dass Gott Menschen auf die Probe stellt. So heißt es von Abraham: „Gott versuchte Abraham“ (Gen 22,1). Gemeint ist: Gott stellte ihn auf die Probe, um seine Treue sichtbar zu machen.

Darum ist es wichtig, zu unterscheiden:

  • Prüfung bedeutet: Erprobung von Treue und Vertrauen, Ziel ist Stärkung und Bewährung.
  • Versuchung bedeutet: Verleitung zum Bösen, Ziel ist der Abfall vom Glauben.

Auch im Leben Jesu wird diese Unterscheidung deutlich: „Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde“ (Mt 4,1). Geführt wurde er vom Geist Gottes, versucht wurde er vom Teufel. So dürfen wir beten: „Führe uns, Herr – aber nicht hinein in die Versuchung.“ Und mit der zweiten Bitte ergänzen: „… sondern erlöse uns von dem Bösen.“

Darüber hinaus machte der Apostel deutlich, dass es in unseren Gebeten oft zuerst um uns selbst geht: unsere Sorgen, unsere Bitten, unsere Wünsche. Jesus aber lehrte seine Jünger, den Vater ins Zentrum zu stellen – am Anfang und am Ende. „Dein Name, dein Reich, dein Wille…“ und zum Schluss „Denn dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit.“ Unsere Anliegen sind dazwischen eingebettet – eingerahmt von Gottes Größe und Ehre.

Der Bezirkschor leitete zu weiteren Predigtbeiträgen über. Priester A. Henhappelbetonte die Liebe Gottes, die sich in seiner Führung offenbart. Priester Th. Zadrazilhob hervor, dass die Jünger von Jesus selbst ein Gebet lernen wollten – weil ihre eigenen Worte ihnen oft so unvollkommen erschienen.

Ein eingeschobener Gedanke des Apostels verwies auf die Auswirkungen des Gebets: Die Jünger hatten bei Jesus immer wieder beobachtet, dass Gebet ihn verwandelte. Nach seinen Gebeten spürten sie bei ihm neue Kraft, Klarheit und innere Freiheit. Deshalb baten sie ihn – wie das Lukasevangelium überliefert – sie selbst auch das Beten zu lehren. "Brauchst du vielleicht gerade Kraft, Klarheit, neue innere Freiheit?" fragte der Apostel die Anwesenden.

Den Schlusspunkt setzte Bezirksevangelist G. Trimmal mit der Einladung, sich das Vaterunser neu und ganz persönlich zu eigen zu machen, um die zuvor genannten Auswirkungen für sich in Anspruch nehmen zu können. Jesus hat so viel Weisheit und Gnade in dieses Gebet hineingelegt. Obwohl Gott all unsere Bedürfnisse kennt, freut er sich über jedes Gebet.

Am Ende wies Apostel Pfützner noch auf eine architektonische Besonderheit hin: Der Altar befindet sich genau unter dem Dachfenster und ist zwei Stufen höher als der Kirchensaal. So rücken die Abendmahlskelche näher zu Gott – direkt in den Himmel. Wie zur göttlichen Bestätigung dieses Hinweises fiel plötzlich während der Abendmahlsfeier das Sonnenlicht in die Kirche ein und erhellte den Altar – nur um nach der Spendung des trinitarischen Segens auf geradezu geheimnisvolle Weise wieder zu verschwinden…

Der Chor und jeweils ein Geigen- und Orgelspieler umrahmten den Gottesdienst in wunderbarer Art und Weise.
Nach dem Gottesdienst nahmen sich der Apostel und die leitenden Geistlichen des Kirchenbezirks Zeit, um sich von den Besuchern persönlich zu verabschieden.

Th. Zadrazil