«Dein Reich komme.»


Mt 6,10

Ein zweifacher Dreiklang

08.07.2026

Wie das Wort der Bibel Resonanz beim Lesen oder Zuhören im Einzelnen Resonanz erzeugen und so die Botschaft Gottes zum Klingen bringen kann, konnte die Kirchengemeinde Wien-Landstraße im Gottesdienst mit Apostel Pfützner am 8. Juli 2026 erleben.

Predigt

Apostel Pfützner wählte als Grundlage seiner Predigt den Hebräerbrief 10,24–25:«Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlung, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.»
Er beschrieb, wie ihm der Heilige Geist diesen Text «auf die Seele geschnürt» habe, und kündigte an, dass manche Formulierungen im vorgelesenen Wort zunächst den erhobenen Zeigefinger assoziieren könnten – obwohl dieser gar nicht gemeint sei.

Historischer Hintergrund

Der Hebräerbrief entstand in einer Zeit, als das erste große Glaubensfeuer bereits erloschen war – vermutlich in der zweiten oder dritten Generation nach Christus. Der Herr war nicht wiedergekommen, die Apostel starben, und bei manchen Gläubigen schwand die anfängliche Vorfreude. Äußerer Druck, innere Enttäuschung über unerfüllte Erwartungen und die Erkenntnis, dass auch Mitchristen keine vollkommenen Heiligen sind, belasteten die Gemeinden. Der Apostel betonte, dass sich daran bis heute wenig geändert habe.

Der große Dreiklang:

Glaube, Hoffnung, LiebeDer Predigttext ist eingebettet in einen übergeordneten Dreiklang, der den gesamten Abschnitt des Hebräerbriefs prägt:

  • Glaube – „Lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in der Fülle des Glaubens."
  • Hoffnung – „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung."
  • Liebe – „Lasst uns einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken."

Die Predigt konzentrierte sich auf den dritten Aspekt und entfaltete ihn in einem eigenen Dreiklang. 

Der innere Dreiklang der Liebe

1. Aufeinander achthaben

Achtsamkeit bedeute nicht Überwachung oder neugieriges Nachfragen („Wo warst du denn?"), sondern echte Anteilnahme: „Du fehlst mir, ich habe dich vermisst." Die entscheidende Frage laute nicht „Was ist mit ihm passiert?", sondern „Was kann ich tun, damit es dir gut geht?" Achtsamkeit sei damit die erste Etappe der Liebe – ob gegenüber Ehepartnern, Kindern, Eltern, Geschwistern oder der Gemeinde.

2. Einander anspornen

Das griechische Wort für „anspornen" bedeute eigentlich „aufstacheln" oder „provozieren" – derselbe Begriff, der den Streit zwischen Paulus und Barnabas beschreibt. Im Hebräerbrief sei jedoch ein positives Provozieren gemeint: einander liebevoll herausfordern, mehr Liebe zu zeigen und Gutes zu tun. Gemeinde sei kein „Wohlfühlverein" oder „Kuschelklub", sondern ein Ort gegenseitigen Wachstums. Die Frage „Was bringt mir der Gottesdienst?" sei dabei falsch gestellt; richtiger wäre: „Wem bin ich etwas in der Gemeinde? Wer vermisst meine Liebe, wenn ich nicht komme?"

3. Einander ermutigen

Das Wort „ermahnen" (griechisch parakalein) ist verwandt mit „Paraklet", der Bezeichnung für den Heiligen Geist im Johannesevangelium. Es meint weit mehr als Ermahnung: Trösten, Ermutigen, Begleiten, Rat geben. Diese Ermutigung richtet den Blick nach vorne – auf den Tag, an dem der Herr wiederkommt.

Gemeinschaft als Resonanzraum des Heiligen Geistes

Glaube, Hoffnung und Liebe seien kein Soloprojekt. Predigt, Gesang, Gebet und Sakramente bilden einen Resonanzraum, in dem wir einander an Gottes Gegenwart erinnern. Je isolierter ein Mensch lebe, desto lauter würden die Stimmen, die sagten: „Es ist sinnlos, er kommt nicht wieder." Im gemeinsamen Feiern hingegen werde der Glaube gestärkt, die Hoffnung fokussiert und die Liebe erfahrbar.

Schlusswort: Gottes offene Arme

Zum Abschluss wies Apostel Pfützner auf das Wort „verlassen" hin – dasselbe Wort, das Jesus am Kreuz verwendet: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Doch Gott habe seinen Sohn nie verlassen, und ebenso empfange er jeden Heimkehrenden mit offenen Armen. Gemeinde solle ein Ort sein, an dem diese Kultur gelebt wird: „Schön, dass du da bist – du hast uns gefehlt." Gott beginne mit jedem Menschen neu und bitte uns, es ebenso zu tun.

Nach einem weiteren Predigtbeitrag des Vorstehers der Kirchengemeinde, Priester Y. Becker und der gemeinsamen Feier des Heiligen Abendmahles, erhielt die Gemeinde eine Diakonin als weitere Geistliche.

Ordination

Apostel Pfützner ordinierte Schwester S. Black zur Diakonin. Aus dem Apostolat Jesu empfing sie Vollmacht, Heiligung und Segnung, um alle mit diesem heiligen Auftrag verbundenen Dienste und Aufgaben ausführen zu können. Der Apostel betonte: «Der Herr selbst bevollmächtigt dich und du empfängst die Vollmacht der rechten Wortverkündigung. Du bist damit berechtigt, im Namen Jesu zu sprechen. Seine Botschaft für die Herzen der Menschen zu schreiben, die Gedanken des Heiligen Geistes zu offenbaren, die sich nicht in dir für dich öffnen, sondern durch dich für andere hörbar machen. Der Geist Gottes gebe dir die Weisheit der Unterscheidung, um zu wissen, wann du redest von wann du schweigst, wann du nur hörst und das, was du hörst, an Gott weitergibst. Aber auch das, was du von ihm hörst an andere weitergibst. Du empfängst die Vollmacht der trinitarischen Segensspendung. Im Rahmen eines Wortgottesdienstes kannst du Menschen ausrüsten, mit der Gnade Jesu, mit der Liebe Gottes, mit der Gemeinschaft des Heiligen Geistes.»